Circular Economy

28.01.2020 | Sesotec

Circular Economy – wie die Kreislaufwirtschaft unser Leben verändert

Was einmal drin ist, geht nicht mehr raus. Müllberge sind verschwunden, aus altem Material entstehen neue Produkte – die Kreislaufwirtschaft soll zur wichtigen Säule moderner Abfallpolitik werden. Welche Möglichkeiten bietet sie? Welche Vorteile hat das für die Kunststoffbranche? Wir klären die wichtigsten Fragen und Begriffe rund um die Circular Economy.



Was heißt Kreislaufwirtschaft (Circular Economy)?

Mehr als 50 Millionen Tonnen Hausmüll fallen pro Jahr in Deutschland an. Ein großer Teil besteht aus wertvollen Rohstoffen. Besonders bedeutend sind, neben Metallen, auch Kunststoffe. In fast jedem Produkt steckt das aus Erdöl gewonnene Material. Ein Auto besteht zu einem Viertel aus Kunststoff. Aber auch Möbel, Kosmetika, elektronische Artikel und vor allem eine Vielzahl von Verpackungen sind daraus gefertigt. Kommen diese Produkte ans Ende ihrer Lebensdauer landen sie oft in der Müllverbrennung oder auf Deponien. Nur ein Teil wird wiederverwertet. Eine ziemliche Verschwendung.

Die Kreislaufwirtschaft verfolgt das Ziel, alle der Natur irgendwann entnommenen Materialien intensiv zu nutzen und später wieder als Rohstoff in den Herstellungsprozess münden zu lassen. Beispiel: Eine Plastikflasche wird in einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft möglichst oft befüllt, dann zerkleinert – und wieder als Rohstoff genutzt, um neue Flaschen oder andere Produkte daraus zu machen. Aus acht wiederverwerteten PET-Flaschen lässt sich bereits ein Fußballtrikot herstellen.

Viele Länder verschärfen das Abfallrecht, um geschlossene Systeme zu schaffen. So wollen sie natürliche Ressourcen schonen und die Umwelt schützen. Eine Schätzung des Europäischen Parlaments geht davon aus, dass sich in einer Kreislaufwirtschaft die Treibhausgasemissionen um zwei bis vier Prozent pro Jahr senken lassen. Effekte gibt es aber auch auf der Kostenseite – rund 600 Milliarden Euro können mit dem System gespart werden, das entspricht acht Prozent des Jahresumsatzes der EU-Unternehmen.


Was bedeutet lineare Wirtschaft (Linear Economy)?

Lineare Wirtschaft lässt sich am besten mit dem Wort Wegwerfgesellschaft beschreiben – also dem Gegenteil der Kreislaufwirtschaft. Der Ursprung dieser verschwenderischen Handlungsweise liegt in der Industrialisierung vor mehr als 150 Jahren. Damals begannen die Menschen, Rohstoffe massenhaft zu verarbeiten. Die daraus entstandenen Produkte wurden verkauft und später einfach entsorgt. Wiederverwertung gab es kaum. Dadurch gehen bis heute große Mengen wertvoller Materialien verloren. Seit sich nach dem 2. Weltkrieg Kunststoff in allen Lebensbereichen ausbreitet und die Umwelt belastet, zeigen sich die Nachteile dieser linearen Wirtschaft. Allein in unseren Ozeanen schwimmen 150 Millionen Tonnen Müll, drei Viertel davon sind Kunststoffe.




Geschichte der Kreislaufwirtschaft

Die Idee der Kreislaufwirtschaft ist nicht neu. Sie war vielmehr Jahrtausende lang die Grundlage menschlicher Arbeitsweise und findet sich noch in manchen Entwicklungsländern. Alles vom Stroh über Küchenabfälle und Ausscheidungen bis zur Arbeitskraft der Tiere ist Teil desselben Systems. Mit der Industrialisierung und der daraus folgenden Landflucht wurde diese nachhaltige Wirtschaftsweise zurückgedrängt.

Der britische Wirtschaftswissenschaftler David W. Pearce führte in den 1990er Jahren die moderne Idee der Kreislaufwirtschaft ein. Entwickelt hat sie sich aus dem Konzept der industriellen Ökologie. Das sieht vor, den Einsatz von Ressourcen zu minimieren und saubere Technologien zu stärken. In Deutschland verabschiedete die Regierung bereits 1994 das Kreislaufwirtschaftsgesetz, es soll die Verwertung von Abfällen fördern. Das Prinzip „Cradle to Cradle“ schreibt diese Ideen fort. Entwickelt haben es der deutsche Chemiker Michael Braungart und der US-Architekt William McDonough.


Welche Formen der Kreislaufwirtschaft gibt es?

Lückenloses Recycling ist heute noch nicht möglich. Zum Beispiel lassen sich nur 14 Prozent aller Kunststoffverpackungen wiederverwerten.

Es ist zwar richtig, dass bislang viele gebrauchte Materialien umgeformt und wiederverwertet werden, aus ihnen entstehen jedoch oft minderwertigere Produkte. Das geht so lange gut bis die Restbestandteile nicht mehr zu gebrauchen sind – was bereits nach wenigen Verwendungen der Fall sein kann.

Unser Abfallkreislauf ist also offen (open-loop), in seinem Verlauf scheiden immer wieder Materialien aus und wandern in den Müll.

Der Trend geht allerdings in eine andere Richtung. So arbeiten Forscher mit Hochdruck an neuen Kunststoffarten, die lange und möglichst oft genutzt werden können. Mit ihrer Arbeit tragen sie dazu bei, den Kreislauf zu schließen (closed-loop).


Offener und geschlossener Abfallkreislauf – wo liegen die Unterschiede

Auch in einem offenen Kreislauf (open-loop) werden Materialien sortiert und wiederverwertet. In aller Regel findet aber keine Veredelung statt. Das heißt, die Wertstoffe werden jedes Mal schlechter. Plastik wird immer trüber und brüchiger bis es aus dem Kreislauf ausscheidet. Der offene Kreislauf lässt also nach wie vor neuen Abfall entstehen, der nicht recycelbar ist. Der Zeitpunkt liegt nur weiter in der Zukunft. Das heißt, die Nutzung natürlicher Ressourcen verlängert sich, das eigentliche Problem bleibt jedoch bestehen.

Die ideale Kreislaufwirtschaft hingegen ist auch auf lange Sicht nachhaltig. Das Ziel besteht darin, gebrauchtes Material ohne Qualitätsverlust unendlich oft wiederzuverwenden. Das ist heute schon mit Aluminiumdosen möglich. Fast das gesamte Material aus den Resten kann in die Herstellung neuer Getränkedosen fließen. Noch sind dem geschlossenen Kreislaufwirtschaft Grenzen gesetzt. Denn in vielen wiederverwerteten Materialien sammeln sich Schmutz und Giftstoffe an, die das Recycling verhindern.




Wiege zur Bahre („Cradle to Grave“)

Der Begriff „Cradle to Grave“ umschreibt eine Wirtschaftsweise, die bislang in den meisten Staaten vorherrscht: Rohstoffe werden der Erde entnommen und verarbeitet. Daraus entstehen oft minderwertige Produkte mit einer kurzen Lebensdauer. Diese landen schnell in der Müllverbrennung oder auf Deponien. Das Prinzip „Cradle to Cradle“ sieht hingegen eine ganz andere Handlungsweise vor.


Wiege zur Wiege („Cradle to Cradle“)

Der Begriff verbindet sich mit dem Gedanken, dass jeder Stoff das Ausgangsmaterial für ein anderes Produkt ist. Dadurch entsteht ein ewiger Kreislauf. Was der Natur entnommen wird, bleibt Bestandteil dieses Systems – ohne Qualitätsverlust. Wenn das Prinzip perfekt funktioniert, entsteht also kein Müll mehr. Damit die Idee aufgeht, sollten allerdings mehrere Grundprinzipien erfüllt sein:

Alle Produkte müssen so hergestellt werden, dass sie weder Mensch noch Umwelt schaden. Das heißt, man kann sie in Materialien trennen, die sich wiederverwerten und biologisch abbauen lassen. Als Abfall darf nur anfallen, was zugleich Nährstoff ist.

Der in einem Auto verbaute Stahl würde also sortenrein in einem technischen Kreislauf zu einer neuen Karosserie werden. Der im Cockpit verbaute Kunststoff wäre so beschaffen, dass daraus ebenfalls neue Produkte entstehen könnten. Dagegen würden Reifen und verschlissene Sitzbezüge in einen biologischen Kreislauf eingehen. Die Materialien aus natürlichem Kautschuk oder ökologisch erzeugter Baumwolle würden verrotten und könnten als Dünger für neue Pflanzen dienen. Natürlich würden auch diese biologisch abbaubaren Materialien im technischen Kreislauf möglichst häufig wiederverwertet.

Voraussetzung ist auch die Nutzung erneuerbarer Energien, zum Beispiel durch Wind und Sonne. Denn Emissionen wie Treibhausgase oder Stickoxide sind ebenfalls eine Form von Abfall. Selbstverständlich müssten auch Solaranlagen oder Windräder nach dem Prinzip von „Cradle to Cradle“ hergestellt sein. Das heißt, ihre Bestandteile sollten nach dem Ende der Lebensdauer entweder sortenrein recycelbar sein oder biologisch sauber verrotten.

Ein wichtiger Aspekt von „Cradle to Cradle“ ist die Vielfalt. Denn Einheitlichkeit macht anfällig – das gilt besonders für natürliche Systeme. Ein Beispiel sind Monokulturen in der Landwirtschaft, die den Schädlingsbefall fördern. „Cradle to Cradle“ sieht daher vor, dass der Mensch mit seiner Kreativität die biologische und kulturelle Vielfalt sinnvoll nutzt. Jedes Produkt sollte zum Erhalt dieser Vielfalt beitragen. Das kann zum Beispiel durch die Nutzung von lokal vorhandenen Materialien und Stoffströmen entstehen. So kann der Einsatz regionaler Pflanzen an ihrem Ursprungsort sehr sinnvoll sein. Müssen sie als Rohstoff erst um den halben Globus transportiert werden, ist das nicht mehr der Fall.


Spiralwirtschaft („Spiral Economy“)

Das Konzept der Kreislaufwirtschaft ist zukunftsweisend, aber es hat eine Schwäche: Es geht von klaren und nachvollziehbaren Stoffströmen aus. Die gibt es in der Realität jedoch nur selten. Denn die Wirtschaft ist ein bewegliches und sehr komplexes System. Die reine Kreislaufwirtschaft wird deshalb eine Vision bleiben.

Plausibler ist die Idee der Spiralwirtschaft, die sich viel mehr an den Bedingungen der Wirklichkeit orientiert. Grundgedanke ist, dass Materialien oder Produkte aus einzelnen Branchen auch unter völlig anderen Rahmenbedingungen verwendbar sind. Ein Beispiel sind gebrauchte Verpackungen, die auf ganz unterschiedlichen Wegen als Rohmaterial für neue Pullover und Jacken dienen.

In der Spiralwirtschaft sind gebrauchte Produkte also nicht Teil eines isolierten Kreislaufs, sondern sie bilden eine Plattform, auf der sich eine endlose Zahl von Verwendungsmöglichkeiten ergibt. Da sich das System dadurch viel leichter im Gleichgewicht halten lässt, spricht vieles dafür, dass die Spiralwirtschaft eine Idee ist, die gute Chancen hat, sich künftig durchzusetzen.


Über Sesotec

Als Partner der Kunststoffindustrie bietet Sesotec verschiedene Lösungen, um den Anforderungen der Recycler, Kunststoffhersteller und Kunststoffverarbeiter gerecht zu werden. Mit sensorbasierten Materialanalysesystemen, Sortiergeräten, Metallseparatoren und Services sorgt Sesotec für Produktreinheit. Damit sind Effizienz und Wirtschaftlichkeit bei der Aufbereitung, Herstellung und Verarbeitung von Kunststoffen sichergestellt.




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