Circular Economy

22.12.2021 | Sesotec

Design for Recycling - ein wichtiger Baustein der Kreislaufwirtschaft

Wenn die momentan vorherrschende lineare Wirtschaft weiterbesteht, heißt es für den Planeten bald „Game over“. Der Ausweg ist eine Kreislaufwirtschaft. Kunststoffrecycling ist dabei besonders wichtig für unsere Umwelt. Es hält Müll aus der Natur fern, spart fossile Ressourcen ein und trägt signifikant dazu bei, die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren. Doch nach wie vor landet viel zu viel Plastik als Abfall in der Natur oder in den Müllverbrennungsanlagen. Der Hauptgrund sind Plastikartenvielfalt, Farben, Kleber und Etiketten, welche die Wiederverwertung im geschlossenen Wertstoffkreislauf erschweren oder gar verhindern. Um den Kreislauf zu schließen, benötigen wir Kunststoffverpackungen, die für das Recycling gemacht sind.



Was bedeutet Design for Recycling?

Verpackungen sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Sie schützen das Produkt und enthalten wichtige Informationen für den Verbraucher. Oftmals werden sie jedoch nach einmaliger Verwendung entsorgt. Somit landen wichtige Wertstoffe im Müll. Um diese Ressourcen nutzen und den Kreislauf schließen zu können, ist es unverzichtbar, schon beim Verpackungsdesign an die Recycelbarkeit des eingesetzten Materials zu denken und für ein recyclinggerechtes Design zu sorgen. Das fordert auch die Gesetzgebung. So enthalten beispielsweise das EU-Kreislaufwirtschaftspaket und das Verpackungsgesetz ambitionierte Ziele und Vorgaben. Demnach sollen bis 2030 sämtliche in der EU hergestellte Verpackungen zu 100% wiederverwendbar oder recycelbar sein. 

 

Warum ist Design for Recycling wichtiger denn je?

Der Gebrauch von Kunststoffverpackungen steigt stetig – und parallel dazu die Menge an Plastikabfällen. Produziert, kurz genutzt und ab in den Müll. Um eine nachhaltige Zukunft zu erreichen und unsere Umwelt dauerhaft zu schützen, muss sich vor allem der Umgang mit Plastik grundlegend ändern. Denn gebrauchter Kunststoff ist nicht zwingend Müll, sondern häufig eine wertvolle Rohstoffquelle, die noch größtenteils ungenutzt bleibt.  

Laut der Studie „Verpackungswende jetzt!“ des WWF bestehen 89% aller Kunststoffverpackungen aus Virgin Material, 50% aller Plastikabfälle werden nach einmaliger Nutzung verbrannt. Um zu einer wirkungsvollen und ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft zu gelangen, müssen Plastikverpackungen generell eingespart, vor allem aber am Ende ihrer Nutzung systematisch und effektiv wiederverwertet und recycelt werden. Eine Herausforderung, der sich die Gesetzgeber derzeit ebenso stellen müssen, wie Hersteller, Recyclingindustrie, Handel und Verbraucher. Ein wichtiger Hebel ist hier das recyclinggerechte Design von Plastikverpackungen. Dadurch lassen sich die Ausbeute und der Wert dieser Stoffe erhöhen. Branchenfachleuten zufolge ist es beispielsweise möglich, zu 90% von Mehrschichtmaterial auf Monomaterial umzusteigen, ohne an Qualität einzubüßen. So könne beim Recycling im geschlossenen Kreislauf ein 11% höheres Ergebnis erzielt werden. Bei Verbundmaterial haben Sortiersysteme häufig Probleme damit, die einzelnen Materialschichten korrekt zu trennen, was zur Folge hat, dass ein Recycling nicht möglich oder aber das Rezyklat von schlechter Qualität ist. Passt man Polymere, Farben, Kleber, Zusätze und Verschlüsse entsprechend an, können Ausbeute und Wert der Rezyklate noch weiter gesteigert werden.




Die wichtigsten Parameter für ein recyclinggerechtes Design

Doch welche Kriterien müssen künftige Verpackungen erfüllen, um als recyclinggerecht eingestuft zu werden? Seit der Einführung des Verpackungsgesetzes dient hier die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) als Kontrollinstanz. Sie veröffentlicht jährlich eine Version des sogenannten  Mindeststandard für die Bemessung der Recyclingfähigkeit von systembeteiligungspflichtigen Verpackungen gemäß § 21 Abs. 3 VerpackG. Darin enthalten sind zum einen Mindestkriterien, die eine Verpackung erfüllen muss, um recyclingfähig zu sein, zum anderen definiert der Mindeststandard, welche Materialien besonders gut in den Wertstoffkreislauf aufgenommen werden können und welche nicht.

Demnach müssen Verpackungen eine Sortier- und Verwertungsinfrastruktur enthalten, sodass die einzelnen Komponenten ihrem Material entsprechend recycelt werden können. Einzelne Verpackungsbestandteile müssen sortierbar bzw. voneinander trennbar sein, sofern es sich um verschiedene Materialien handelt. Die Verpackung darf zudem keine Stoffe enthalten, die Recyclingunverträglichkeiten darstellen, die den Verwertungserfolg in der Praxis verhindern könnten. 

Für Hersteller, die ihr komplettes Verpackungsdesign neu entwickeln müssen, um die gesetzlichen Anforderungen künftig einhalten zu können, gibt es einige Herausforderungen: 

  1. Material
    Verpackungen aus mehreren Materialschichten werden für das Recycling schnell zum Problem. Sie können nach Gebrauch nicht getrennt werden und werden in der Sortieranlage einer Materialfraktion zugeordnet. Hersteller sollten daher auf Monomaterial umsteigen oder aber leicht trennbare Materialien einsetzen. Verschlüsse sollten möglichst aus dem gleichen Material bestehen wie der Rest der Verpackung.

  2. Farbe/Druck
    Wird in der Sortieranlage eine Verpackung nicht richtig erkannt, landet sie automatisch in der Restfraktion und wird nicht recycelt. Das passiert besonders häufig bei dunkel gefärbten Verpackungen. Hersteller sollten daher für ihre Kunststoffverpackungen zum einen helle oder transparente Farben einsetzen, zum anderen den Druck auf der Oberfläche möglichst klein halten und Metalliceffekte vermeiden. Hitzebeständige Farben und Kleber können ebenfalls problematisch sein. Hier sind wasserlösliche Produkte eine gute Alternative.

  3. Etiketten/Banderole
    Um eine Verpackung einer Materialart zuzuordnen, wird diese in der Sortieranlage gescannt. Durch besonders große Etiketten, die aus einem anderen Material bestehen als die Verpackung, kann es bei diesem Scanvorgang zu Fehlern kommen. Das hat zur Folge, dass die Verpackung entweder der falschen Materialart zugeordnet wird, was das Recyclingergebnis verschlechtert, oder aber gar nicht recycelt wird. Somit sollten Hersteller entweder auf Etiketten verzichten oder Etiketten verwenden, die aus dem gleichen Material bestehen, wie die Verpackung. Eine Möglichkeit sind wasserlösliche oder leicht abtrennbare Etiketten.

  4. Restentleerung
    In den Verpackungen verbliebene Produktreste wie etwa Waschmittel oder Wandfarbe erschweren nicht nur den Vorgang in der Sortieranlage, sie haben zudem einen erheblichen Qualitätsverlust beim Rezyklat zur Folge. Hersteller sollten daher darauf achten, dass ihre Verpackungen besonders leicht zu entleeren sind, etwa durch glatte Innenflächen und breite Öffnungen.   


Fazit 



Ein Wandel von der linearen hin zu einer Kreislaufwirtschaft für Plastikver­packungen ist vor allem unter ökologischen Aspekten von höchster Dringlichkeit. Eine recyclinggerechte Verpackung ist Umweltschutz in Reinform. Sie vereinfacht Sammlung, Verwertung und Recycling, reduziert das Abfallaufkommen und CO2-Emissionen, spart Kosten ein und wird dem Wertstoffkreislauf als hochwertiger Sekundärrohstoff erneut zur Verfügung gestellt. Dieser Systemwandel ist mit den heute verfügbaren Sortiertechnologien durchaus möglich, erfordert jedoch den Willen und die enge Zusammenarbeit zwischen Industrie, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft.





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